Slam in der Werkstatt: «Wir wollen Slammer*innen motivieren, weiterzumachen»

Slam in der Werkstatt: «Wir wollen Slammer*innen motivieren, weiterzumachen»

Die Discokugel wirft das Licht in den ganzen Raum der Werkstatt in Chur und die Atmosphäre könnte kaum schöner sein. Es ist Slam in der Werkstatt, organisiert von Fabian Engeler und Pierre Lippuner. Poetryslam.ch möchte verschiedene Veranstalter*innen vorstellen. Den Start machen wir mit Fabian und Pierre. Alle zwei Monate gibt es dienstags den Slam in der Werkstatt, 2017 hat er das erste Mal stattgefunden. Was zuerst als Hochschulprojekt angedacht war, ist heute ein beliebter Slam im Bündnerland.

«Der Slam eignete sich nicht als Hochschulprojekt, wir dachten aber ‚Fuck it‘,  wir machen das trotzdem», sagt Fabian Engeler. Mit dem Verein Buntd organisieren die beiden nun seit drei Jahren den Werkstattslam und er läuft gut.  «Wir waren überrascht, wie viele beim ersten Mal kamen, wir haben das nur über Facebook und die Hochschule kommuniziert», sagt Fabian. Er sagt, es läge wohl an der tollen Location und daran, dass im Bündnerland nicht wirklich regelmässig Slam stattgefunden haben.

«Haben offene Türen eingerannt»

Früher haben die beiden eine Zeit lang Slams im Kino Herisau durchgeführt, der mal gut und mal weniger gut besucht war. «Dort haben wir vor allem nicht regelmässig veranstaltet, toll war es dennoch. Ein Slam im Kino ist schon speziell», sagt Fabian.

Die Werkstatt in Chur kann gut und gerne auch als speziell bezeichnet werden. Unten ist die schöne Bar und eine Wendeltreppe führt in den oberen Stock, von dem aus das Publikum eine gute Sicht auf die Bühne hat. «Die Werkstatt ist sehr stimmungsvoll und hat eine gute Grösse. Die Betreiber*innen der Werkstatt waren auch gleich dabei, als wir mit der Idee kamen. Scheinbar gab es früher schon Slams in der Werkstatt, da haben wir offene Türen eingerannt», sagt Fabian.

Pierre und er möchten mit dem Werkstattslam eine Plattform bieten, für solche, die noch nie oder nur selten auf der Bühne gestanden haben. «Wir pflegen den Openlist-Charakter. Teilweise fragen wir auch Slammer*innen an und oft kommen solche, die mitgemacht haben, wieder», so Fabian. Man wolle, so der St.Galler, ermutigend sein. Gerade wenn jemand zum ersten Mal an einem Slam mitgemacht hat und die Note schlecht war, wollen die beiden diejenigen motivieren, weiterzumachen, wenn sie Spass daran hatten.

Graubünden hatte nicht viele Slams

«Seit wir den Slam in Chur machen, haben wir auch Anfragen erhalten, Veranstaltungen in der Umgebung zu organisieren oder zu moderieren», sagt Fabian. So zum Beispiel konnten sie am Jubiläum des Naturparks Beverin auftreten, an der Hochschule einen Nachhaltigkeitsslam organisieren und am Openairslam in Malans sowie am Slam in Flims mitwirken.

«Man merkt, dass es in Graubünden nicht viele Slams gegeben hat. Es ist toll, dass Leute in der Umgebung durch unseren wieder auf Slam aufmerksam geworden sind», sagt Fabian. Der Werkstattslam ist oft ausverkauft und selbst wenn er es nicht ist: die Stimmung ist immer sehr gut und das Publikum sowie die Poet*innen geniessen diese Abende. «Es ist eine wirklich tolle, gemütliche Bar und wir sind froh, dass wir unseren Slam an einem solchen Ort machen dürfen» , sagt Fabian.

«Slam fand ich von Anfang an cool»

Pierre und Fabian sind schon lange in der Slam-Szene aktiv. Zuerst selbst auf der Bühne, engagierten sich beide bald in der Organisation von u20-Slams in St.Gallen und dem Thurgau. «Pierre ist ja schon lange dabei, seit etwa 2007. Ich begann 2012 im u20-Slam», sagt Fabian. Pierre habe ihn zum Slam gebracht. «Ich habe ihn durch Freunde kennengelernt und sah ihn bei einem Auftritt am u20-Slam und besuchte dann auch die Schweizermeisterschaft. Von Anfang an fand ich Slam cool und es hat mich motiviert, selbst mitzumachen», sagt Fabian. Erst im u20 gründete er mit Pierre schliesslich das Slam-Team «Pink im Park».

Er sagt, seine ersten Auftritte seien zwar nicht so toll gewesen, die «Slamily» habe ihn aber gut aufgenommen und er habe eine tolle Zeit mit den anderen Slammer*innen verbringen können. Jetzt, Jahre später, sind beide auf der Bühne sehr sicher und moderieren auch stets mit Charme und Witz. Auch die beiden mussten aufgrund des Lockdowns zwei Slams in der Werkstatt absagen, im September geht es dann aber weiter mit dem Slam in der Werkstatt.

 

Text: Stefanie Rohner
Foto: Seraina Cavigelli