Schweizermeisterschaften 2016 – ein Rückblick

Vom 17. bis 19. März 2016 fanden in St.Gallen die Schweizermeisterschaften im Poetry Slam statt. 60 Poetinnen und Dichter massen sich in einem Wettkampf der Texte, kämpften in den Kategorien u20, Einzel und Team um den Titel und schlussendlich um die Gunst des Publikums.

Dieser Text hätte eigentlich um sechs Uhr in der früh entstehen sollen, nach einer durchzechten Nacht. Nach einer Nacht voller lachender Gesichter, dummen Witzen und wehmütiger Verabschiedung. Nach einem Aufatmen und einer kleinen Tonne Last, welche von meinen Schultern gefallen ist. Stattdessen entsteht er am frühen Abend, etwas später, der Kopf wieder klarer, jedoch immernoch mit dem gleichen Lächeln der Zufriedenheit und Freude im Gesicht.

Drei Tage. 60 Poeten. Ein Festakt der Poesie.

Am 17. März öffneten wir die Tore zu den Schweizermeisterschaften mit dem Finale der Jungpoeten, zu einem Festival der Worte und Performance. In den drei Kategorien u20, Einzel und Team massen sich die Dichterinnen und Dichter. Stets mit einer Prise Selbstironie, mit Pointen und Emotionen.

U20 Slam – Wettkampf der Jungdichter

Sieben junge Slam-Poeten hatten sich über kantonale u20 Slams im Vorfeld für die Schweizermeisterschaften qualifiziert und traten dann am Donnerstag, 17. März, vor rund 350 Zuschauer. Unschuldige Lyrik traf auf Storytelling aus der Herrentoilette, kritische Weltsichten auf Alltags-Berichten. In einem finalen Stechen trafen schliesslich Joël Perrin aus Zürich, Mia Ackermann aus St.Gallen und Gina Walter aus Basel aufeinander.

Mit einem Text zum arabischen Frühling setzte sich Joël Perrin schliesslich gegen die Konkurrenz durch. „Sie twittern und tweeten, zwischen Tälern und Hügeln“, haucht er in den Zuschauerraum. Frenetischer Applaus und ein neuer Champion ist geboren!

Team-Slam – die geheime Königskategorie

Im Team-Wettbewerb zu stehen ist immer eine Erfahrung für sich. Eingespielte und bekannte Teams treffen auf neue Gesichter, auf neue Ideen und am Freitag, 18. März, auf eine ausverkaufte Grabenhalle, charmant moderiert von Richi Küttel und Ralph Weibel. Charmant geopferlammt durch Etrit Hasler und Patti Basler (welche – sollte man ihrem Text Glauben schenken – bald heiraten werden).

Ins finale Stechen schafften es aus den neun Teams Zum Goldenen Schmied (Laurin Buser & Fatima Moumouni), Die Agile Liga (Phibi Reichling & Kilian Ziegler) und die Schweizermeister des letzten Jahres Das Helvetische Dreieck (Dominik Muheim und Sven Hirsbrunner).

„Zu Wiehnacht, dem Fäst vo de Liäbi, wünschisch dir e Spielzügwaffe. Du chlini martialischi Konsumsau!“, liess das Helvetische Dreieck verlauten und sicherten sich somit erneut den Titel des Team-Champions! Oder wie es die glücklichen Sieger zu Beginn ihres Final-Textes sagten: „Alle Jahre wieder.“

Der Einzelwettbewerb und das grosse Finale

39 Poetinnen und Poeten versuchten sich am Freitag und Samstag in insgesamt drei Halbfinals am Einzug ins grosse Finale. Auf die Bühne der Tonhalle schafften es schliesslich Phibi Reichling, Valerio Moser, Lara Stoll, Peter Heiniger, Dani Wirth, Fitim Lutfiu, Remo Zumstein, Laurin Buser und Christoph Simon.

Vor ausverkauften Rängen und einer fantastischen Stimmung schenkte man sich nichts, und nach einer atemberaubenden Vorrunde schafften es Lara Stoll, Remo Zumstein und Fitim Lutfiu in die finale Entscheidung. „Dini Muetter!“, plädierte Lara Stoll sechs Minuten lang, doch reichte es schlussendlich nicht gegen Remo Zumstein, welcher sich mit einem Text über seine allgemeine Zufriedenheit trotz seiner persönlichen Missstände gegen seine Gegner durchsetzte und somit zum neuen Schweizermeister im Poetry Slam gekürt wurde.

That’s all, folks – bis zum nächsten Mal

Es war ein Fest. Eine Party. Ein richtiger Kracher! Es war schön, es war streng und doch einfach nur schön. Schön, dass ihr alle da ward, schön, euch gesehen, gehört und begrüsst zu haben. Neben einer allgemeinen Erschöpfung, einem blau angelaufenen grossen Zeh (eine Bodenplatte ist mir beim Aufräumen der Grabenhalle draufgefallen), einem Kater (ihr wisst, warum) und etwas Wehmut bleiben mir schöne Erinnerungen.

Danke für die netten Worte, Martina. Danke für die tolle Mitmoderation, Valerio. Danke, Fabian für unseren Auftritt als Slam-Team. Danke an Richi, Ralph und Etrit. An alle Slammer. An alle Slammaster. Gratulation an Joël, an Remo, an Sven und Dominik.

Danke an Lukas Hofstetter, welcher diese Meisterschaften überhaupt möglich gemacht hat. Welcher Blut und Stress schwitzte, nur um am Schluss mit mir statt dem Tanzbein den Besen zu schwingen. Ein letztes Bier zum Abschied. Dann heim ins Nest.

Dieser Text hätte um 6 Uhr in der Früh entstehen sollen. Aber früh abends geht auch.

In Liebe.

Pierre

 

(Ein Bericht von Pierre Lippuner)