Ach ja. Die Deutschsprachigen Meisterschaften.

Ach ja. Die Deutschsprachigen Meisterschaften.

Vier Tage nach dem Ende des Festivals fühlen sich meine Augen immer noch ein bisschen trockener an als normal und ein kleiner Funke in meinem Innern tanzt noch immer mit der Freiheit. (Bild: Tobias Glufke)

Es waren erfolgreiche deutschsprachige Meisterschaften, aus Sicht der Schweiz sowieso: Michael Frei und Phibi Reichling konnten sich bis ins Halbfinale durchkämpfen, für Fatima Moumouni und mich reichte es sogar bis ins Finale und im Team Wettbewerb standen Interrobang (Valerio Moser & Manuel Diener) und das Team zum Goldenen Schmid (Fatima Moumouni & Laurin Buser) im Finale, letztere gar im finalen Stechen. So unerwartet die Finalteilnehmer*innen im Einzelfinale waren, so altbekannt kam das Ergebnis zum Schluss daher: Philipp Scharrenberg konnte im Einzel-, Team LSD im Teamwettbewerb den Sieg erringen.

Ein paar erwähnenswerte Premieren gilt es trotzdem noch zu erwähnen: Zum ersten Mal konnte das Finale über den Live Stream für die nicht am Finale teilnehmenden Poet*innen in einem anderen Raum mitverfolgt werden, in dem zusätzlich Freibier und Catering zur Verfügung standen. Viele nutzten dieses Angebot und waren damit sehr zufrieden. So vollkommen nachvollziehbar es mir erscheint, ein solches Angebot weiterzuziehen, muss ich doch ganz persönlich dagegen argumentieren; der ausbleibende Bühnensturm, die fühl- und hörbare Unterstützung haben mir auf und neben der Bühne gefehlt.

Natürlich ist es zu begrüssen, dass die Veranstaltung nicht durch ausufernde Rufe und Schreie gestört wurde, trotzdem komme ich nicht umhin zu vermuten, dass eine gewisse euphorische Poetenkurve auch positive Einflüsse auf die Gesamtstimmung im Publikum, folglich auf die Jury und die Endresultate haben kann – ob begrüssenswert oder nicht, lässt sich diskutieren, mir jedenfalls habt ihr alle gefehlt. Ein bisschen enttäuschend war leider auch die After Party nach dem Einzel Finale, die sich wegen Location-Schwierigkeiten in alle Himmelsrichtungen verlief.

Abgesehen von diesen zwei negativen Wermutstropfen gibt es jedoch nur absolut positives Feedback zu geben: Eine hervorragende Finalmoderation und ein erstklassig organisiertes Festival ermöglichten es jeder*m Festivalteilnehmenden, sich wohl zu fühlen und das Beste aus den vier Tagen zu machen. Personalisierte Badges, eine Facebookgruppe zum internen Talk, viel Liebe und die Bereitschaft, immer r alle da zu sein: Der Festivalleitung und allen Helfer*innen gebührt ein riesiger Dank! Es waren wundervolle Tage in Stuttgart. Ein Riesen Herz dafür. <3

Mir wurde gesagt, ich schlösse im folgenden Punkt zu sehr von mir auf andere, und das mag wahr sein, trotzdem möchte ich noch anmerken, dass die Meisterschaften dieses Jahr für mich erwachsen geworden ist: Anstelle von Hotels und Acht-Bett-Zimmern schliefen wir dieses Jahr in Doppel- oder Einzelzimmer im Vier-Sterne-Hotel, es gab keine kalten Duschen, sondern einen Pool mit Sauna und das Frühstücksbuffet war pompöser als bei vergangenen deutschsprachigen Meisterschaften die Finalrunden. Ich neige zu Übertreibungen, aber ihr versteht, was ich meine. Wahrscheinlich lag es hauptsächlich an mir und nicht an den Meisterschaften, aber dieses Jahr ging es doch einigermassen (!) gesittet zu und her – der Glanz vergangener U20 Eskapaden (von denen man aus Magdeburg doch ab und zu noch was hört), bröckelt langsam von unseren reifen Gesichtern – und ich glaube, das ist auch gar nicht mal so schlecht. Denn wenn erwachsen sein heisst, solche Meisterschaften zu erleben, dann bitte: Mehr davon.